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Carina Stöttner beim Wirtschaftsempfang Altötting-Mühldorf

November 2, 2026

Eine Frage zum Einstieg

Wird die Welt im Jahr 2036 besser sein als heute? Mit dieser Frage eröffnete Carina Stöttner ihre Keynote beim Wirtschaftsempfang 2026 in Altötting. Die Antwort sollte das Publikum nicht laut geben, sondern mit dem eigenen Körper: Wer an eine gute Zukunft glaubt, bleibt stehen. Wer zweifelt, nimmt Platz. Am Ende saß ein Teil des Saals, ein anderer stand.

Für die Zukunftsforscherin war dieses geteilte Bild der perfekte Ausgangspunkt. Denn unser Gehirn gewichtet negative Informationen stärker als positive. Psychologen sprechen vom Negativitäts-Bias. Krisenmeldungen bleiben hängen, und plötzlich planen wir für Katastrophen, die fast nie so eintreffen. Wer als Unternehmen aus dieser Haltung heraus entscheidet, verpasst Chancen.

Was es stattdessen braucht, fasste Stöttner in ein Bild aus Entenhausen: den Erfindergeist von Daniel Düsentrieb, gepaart mit dem Geschäftssinn von Dagobert Duck.

Der Rahmen: ein Abend für die Region

Gastgeber waren die Landkreise Altötting und Mühldorf gemeinsam mit der IHK für München und Oberbayern und der Kreishandwerkerschaft. Am 29. Oktober kamen dafür rund 600 Menschen aus Unternehmen, Handwerk und Politik ins Kultur+Kongress-Forum. Kein anderer Empfang dieser Art in Oberbayern ist größer, München ausgenommen.

Landrat Dr. Tobias Windhorst warb in seiner Begrüßung für Zuversicht. Bei ihm sei das Glas „immer halb voll statt halb leer“. Mit Blick auf Vorhaben wie den Ausbau der Bahnstrecke ABS 38 sagte er: „Wir wissen, was zu tun ist.“ Eine Steilvorlage für die Keynote, die folgte.

Vier Wege für Europas Wirtschaft

Zölle, Kriege, Klimafolgen, Angst vor KI: Laut Carina Stöttner erleben wir keine einzelne Krise, sondern eine Polykrise. Weil sich schlechte Nachrichten stärker einprägen als gute, lähmen uns Schreckensbilder von Überalterung, Wirtschaftseinbruch oder technologischer Dystopie, obwohl die Zukunft noch offen ist. Ihr Gegenmittel ist das Denken in Szenarien. Szenarien sind keine Prognosen, sondern stellen die Frage „Was wäre, wenn?“. Sie zeigen, dass es mehrere mögliche Zukünfte gibt und Unternehmen in jeder davon Spielraum haben. Wer sich früh damit beschäftigt, kann Risiken abfedern, vor allem aber Chancen nutzen und so vom Krisenmodus in den Gestaltungsmodus wechseln.

Vier solcher Zukünfte stellte Stöttner für die deutsche Industrie im Jahr 2040 vor. In „Deeptech-Deutschland“ wird das Land zum Vorreiter für Robotik, Biotech, Quanten- und Batterietechnologie. Gefragt sind dann vor allem New Collar Worker, die technisches, handwerkliches und theoretisches Können verbinden. Im „Apple-Modell“ bleiben Design und Entwicklung hier, während die Massenproduktion in Best-Cost-Länder abwandert. Das schafft Raum für Spezialisierung, kostet aber viele Arbeitsplätze in der Produktion. „Make Europe Great Again“ beschreibt eine Welt aus Protektionismus und Reshoring, in der exportstarke Branchen leiden, Recycling, Energie und Automatisierung aber zu Gewinnern werden. „Glocal“ schließlich ist der Mittelweg: in der Region für die Region produzieren, Forschung in Deutschland halten und trotzdem global mitspielen. Stöttners Fazit: In keinem dieser Szenarien sind wir bloß Zuschauer, und wer auf das Ende der Krise wartet, ist womöglich nicht mehr am Markt.

Was bleibt

Die Zukunftsforscherin schloss mit einer Aufgabe für jeden Betrieb im Saal: herausfinden, an welchen Stellschrauben das eigene Unternehmen drehen kann, damit es aus dem Wandel stärker hervorgeht. Ihr Schlusssatz: „Zukunft ist das, was wir daraus machen.“

Kreishandwerksmeister Rainer Dachsberger dankte am Ende allen Beteiligten und hob hervor, wie gut Handwerk, Mittelstand und Industrie in der Region zusammenarbeiten. Danach gehörte das Foyer den Gesprächen, und viele davon drehten sich um genau die Fragen des Abends.

Carina Stöttner bedankt sich bei den Landkreisen Altötting und Mühldorf, der IHK für München und Oberbayern und der Kreishandwerkerschaft für die Einladung.

Die Veranstaltung wurde von Allround TV festgehalten und in diesem Video zusammengefasst: