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Autor: admin

Was ist eine Keynote Speech?

Wer eine Konferenz, eine Messe oder einen Unternehmenskongress besucht, begegnet früher oder später dem Begriff Keynote oder Keynote Speech. Doch was steckt eigentlich dahinter – und warum hat sich das englische Lehnwort auch im deutschen Sprachraum so fest etabliert?

Der Begriff und seine Herkunft

Der Ausdruck Keynote stammt aus der Welt der Vokalmusik. A-cappella-Ensembles – ob Doo-Wop-Gruppen oder Barbershop-Quartette – spielen oder singen vor jedem Auftritt gemeinsam einen einzigen Ton an. Dieser Ton legt die Tonart fest, in der das Stück aufgeführt wird, und stimmt alle Sängerinnen und Sänger aufeinander ein. Übertragen auf die Welt des öffentlichen Redens bedeutet das: Der Keynote-Speaker stimmt sein Publikum auf die Kernbotschaft einer Veranstaltung ein – er gibt den Grundton an, nach dem sich alles Folgende richtet.

„Der Keynote-Speaker stimmt sein Publikum auf die Kernbotschaft ein – er gibt den Grundton an.“

Im Deutschen spricht man auch von einem Plenarvortrag – einem Vortrag vor allen Teilnehmenden im Plenum einer Konferenz. In der Praxis hat sich jedoch der englische Begriff weitgehend durchgesetzt, selbst in deutschsprachigen Veranstaltungsprogrammen.

Funktion und Bedeutung

Eine Keynote ist weit mehr als eine Eröffnungsrede. Sie legt das inhaltliche und emotionale Fundament für das gesamte Programm: Sie greift die wichtigsten Themen der Tagung oder Messe vorweg, stellt herausragende Neuheiten vor und rahmt die Botschaft, die alle weiteren Sessions und Diskussionen durchziehen soll. Die Keynote gibt Orientierung – sie beantwortet für das Publikum die Frage: Warum sind wir heute hier?

WUSSTEN SIE SCHON?

Bei großen Kongressen können mehrere Keynotes parallel stattfinden. Zunehmend wird der Begriff auch als Synonym für Plenarsitzung oder eingeladener Vortrag verwendet – mit einer Eröffnungs-Keynote, einer abschließenden Keynote und weiteren Keynotes dazwischen.

Zeitliche Einordnung

Häufig steht die Keynote am Anfang einer Veranstaltung – aber nicht zwingend. Sie kann auch in der Mitte als motivierende Überleitung oder am Ende als inspirierende Abrundung platziert werden. Die Entscheidung, wann eine Keynote stattfindet, hängt von der dramaturgischen Absicht der Veranstaltenden ab.

Wer hält eine Keynote?

Keynote-Speaker sind meist Persönlichkeiten mit hohem Bekanntheitsgrad oder ausgewiesener Expertise: Führungskräfte, Unternehmer, Politiker, Spitzensportler oder renommierte Wissenschaftler. Gerade in akademischen Kontexten – etwa bei Hochschulabschlüssen – werden diese Reden oft als Commencement Speech bezeichnet und von eingeladenen Prominenten oder Wissenschaftlerinnen gehalten.

Die Auswahl des richtigen Speakers ist strategisch bedeutsam: Eine bekannte Persönlichkeit oder jemand mit anerkannter Fachkompetenz steigert die Attraktivität der Veranstaltung und weckt das Interesse potenzieller Teilnehmender bereits im Vorfeld.

Die Rolle des Keynote-Speakers

Oft geht die Aufgabe eines Keynote-Speakers über den Vortrag selbst hinaus: In manchen Formaten übernimmt er oder sie auch die Rolle des Konferenz-Moderators und begleitet das gesamte Programm. So entsteht ein roter Faden, der die Veranstaltung inhaltlich zusammenhält.

Honorar und Vermittlung

Keynote-Speaker sind entweder selbstständig tätig oder werden von spezialisierten Redneragenturen – sogenannten Speakers Bureaus – vertreten. Wird ein Speaker über eine Agentur gebucht, fällt üblicherweise eine Provision von 25 bis 30 Prozent an. Nach gängiger Branchenpraxis trägt der Speaker selbst diese Provision, sodass das Honorar für den Auftraggeber transparent und einheitlich bleibt.

Keynote vs. Plenarvortrag: Ein kultureller Unterschied?

Obwohl Plenarvortrag die treffende deutsche Entsprechung wäre, signalisiert der Begriff Keynote heute mehr als nur ein Format: Er steht für einen bestimmten Anspruch an Inszenierung, Relevanz und Strahlkraft. Nicht zuletzt durch tech-geprägte Großveranstaltungen – man denke an die legendären Präsentationen von Apple – hat sich die Keynote als eigenständiges Kommunikationsformat etabliert, das weit über eine schlichte Eröffnungsrede hinausgeht.

Was ist ein Keynote Speaker?

Ein Keynote Speaker ist die zentrale Rednerin oder der zentrale Redner einer Veranstaltung. Eine Keynote eröffnet neue Perspektiven, setzt thematische Impulse und gibt einem Event Orientierung sowie Energie. Anders als ein rein fachlicher Vortrag verbindet eine starke Keynote Inspiration, relevante Inhalte und einen klaren Blick auf die Zukunft.

Carina Stöttner ist als female Keynote Speaker eine gefragte Stimme für Unternehmen, Verbände und Konferenzen, die nach einer modernen, fundierten und inspirierenden Perspektive auf Themen wie Zukunft, Wandel, Künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Entwicklungen suchen.

Zukunft denken, Wandel gestalten: Carina Stöttner beim Internationalen Foodservice-Forum 2026

Am 12. März 2026 wurde Hamburg erneut zum Zentrum der europäischen Gastronomiebranche: Beim Internationalen Foodservice-Forum im Congress Center Hamburg – traditionell am Vortag der Internorga – trafen sich Entscheiderinnen und Entscheider aus ganz Europa, um über die Zukunft des Außer-Haus-Marktes zu diskutieren.

Mit dabei: Carina Stöttner, Zukunftsforscherin und Gründerin der Futurewise Company, die als Abschluss-Keynote-Speakerin auf der Bühne stand. Die Vermittlung erfolgte über die renommierte Agentur Premium Speakers.

Europas größter Branchentreff – und ein Blick nach vorn

Das Foodservice-Forum gilt als einer der wichtigsten Impulsgeber der Branche. Hier geht es nicht nur um Trends, sondern um strategische Fragen: Wie verändert sich Konsum? Welche Geschäftsmodelle entstehen? Und wie bleibt Gastronomie langfristig relevant?

Das Programm 2026 spiegelte genau diese Vielfalt wider. Auf der Bühne standen unter anderem:

  • Erik Meijer – mit einem Wake-up-Call aus der Welt des Profisports
  • Katrin Wißmann – mit Analysen zu den Top 100 Gastro-Playern
  • Jochen Pinsker – zu Potenzialen im Außer-Haus-Markt
  • Benjamin Bargetzi – zu Neurowissenschaft und KI
  • Jan Knikker – zur Gastronomie in der 15-Minuten-Stadt
  • Jacek Trybuchowski – zu internationalem Wachstum
  • Yotam Ottolenghi – im Fireside Chat über Kreativität und Food Culture

Ergänzt wurde das Programm durch Panels, Start-up-Pitches und Best Practices aus der Branche – von asiatischer Urban Cuisine bis hin zu Stadion-Catering.

Die Zukunft isst anders – Carina Stöttners Abschluss-Keynote

Den inhaltlichen Schlusspunkt setzte Carina Stöttner mit ihrer Keynote: „Die Zukunft isst anders: Wandel als größte Chance für die Branche“

Im Zentrum standen nicht nur Trends, sondern konkrete Zukunftsfragen, die Gastronominnen und Gastronomen heute strategisch beantworten müssen:

  • Neue Zielgruppen denken: Wie lassen sich Angebote für eine wachsende Generation 65+ gestalten – vermögend, aktiv und mit Zeit?
  • Superdiversität nutzen: Welche neuen Formate entstehen durch kulturelle Vielfalt – etwa rund um Anlässe wie Lunar New Year, jenseits klassischer Peaks?
  • Klimawandel als Chance begreifen: Welche neuen regionalen Produkte entstehen – z. B. durch neue Weinbaugebiete in Deutschland?
  • Gesellschaftliche Rolle neu definieren: Kann Gastronomie künftig mehr sein als Konsumort – nämlich ein Raum für Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Ihre zentrale Botschaft: Wandel ist nicht nur Herausforderung – sondern ein strategischer Hebel für neue Geschäftsmodelle, Zielgruppen und Relevanz.

Networking, Inspiration und Ausblick

Neben den inhaltlichen Impulsen bot das Forum zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch – ein entscheidender Faktor in einer Branche, die sich aktuell stark transformiert.

Ein besonderes Highlight folgte am Freitagabend im Rahmen der Internorga: Bei der festlichen Gala im Grand Elysée Hamburg kamen rund 400 geladene Gäste zusammen, um herausragende Konzepte und Persönlichkeiten zu feiern – darunter Karls Erlebnis-Dörfer, Haferkater und Henry McGovern.

Stephan von Bülow, Carina Stöttner

Bild: Thomas Fedra

Carina Stöttner gründet die Futurewise Company

Im Januar 2026 hat die Soziologin und Zukunftsforscherin Carina Stöttner die Futurewise Company gegründet. Das europaweit tätige Beratungsunternehmen unterstützt Vorstände und Führungsteams dabei, in Zeiten permanenter Unsicherheit strategisch handlungsfähig zu bleiben.

Futurewise begleitet Executive-Offsites, entwickelt Futures-Thinking-Projekte zur Erschließung neuer Wachstumsfelder und führt Strategie-Checks durch. Ziel ist es, Unternehmen Orientierung in komplexen Zukunftslagen zu geben – ohne Scheinsicherheit, aber mit klaren Entscheidungsgrundlagen.

Ausgangspunkt der Gründung sind die tiefgreifenden Umbrüche der vergangenen Jahre: Pandemie, geopolitische Konflikte, Energiekrise, Inflation und fragile Lieferketten. In diesem Umfeld, so Stöttner, reiche die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle nicht mehr aus. Wachstum entstehe zunehmend dort, wo Unsicherheit herrsche – und genau diese Räume müssten Unternehmen strukturiert erschließen.

Mit Szenarioarbeit und Futures Thinking schafft Futurewise Entscheidungsräume, in denen mögliche Zukünfte systematisch durchdacht und strategische Optionen abgewogen werden können. Der Fokus liegt auf Resilienz als Voraussetzung für neues Wachstum – nicht als Rückzug, sondern als bewusste Öffnung für zukünftige Märkte und Geschäftsmodelle.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Talk-Runde im Theater

Eine Talk-Runde über Vertrauen, Zukunft und gesellschaftliche Verantwortung im Markgrafentheater Erlangen

Kann man Hoffnung neu lernen, in einer Zeit, die von Polykrisen, politischer Radikalisierung, technologischer Überforderung und ökologischer Ohnmacht geprägt ist? Diese Frage stand im Zentrum der zweiten Ausgabe des Talkformats Amt 44 am Schauspiel Erlangen, die am 16. Dezember 2025 im Markgrafentheater stattfand.

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Frühjahr widmete sich das Format erneut einem Thema, das aktueller kaum sein könnte. Moderiert von Matthias Köhler, Hausregisseur und Teil der künstlerischen Leitung, ging es dabei nicht um schnelle Antworten oder moralische Eindeutigkeiten. Im Mittelpunkt stand – wie es dem Format entspricht – die richtige Frage.

Auf dem Podium trafen vier sehr unterschiedliche Perspektiven aufeinander:
Peter Dabrock, Theologe und Ethiker sowie ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Ethikrats;
Baro Vicenta Ra Gabbert, Autorin, Juristin und Sprecherin für sozial-ökologische Gerechtigkeit bei Greenpeace;
Vincent C. Müller, Philosoph und Humboldt-Professor für die Philosophie der Künstlichen Intelligenz;
sowie Carina Stöttner, Zukunftsforscherin und Beraterin für Führungsteams.

Peter Dabrock brachte eine ethisch-theologische Perspektive ein und verstand Hoffnung als bewusste Haltung, die auch ohne Optimismus handlungsfähig bleibt. Baro Vicenta Ra Gabbert sprach aus der Praxis des Aktivismus und zeigte, wie Hoffnung aus täglichem Engagement entsteht – insbesondere durch junge Menschen, selbst angesichts politischer Rückschläge. Vincent C. Müller öffnete einen philosophisch-technologischen Horizont, indem er für das konsequente Durchdenken von Worst-Case-Szenarien als Voraussetzung verantwortungsvoller Zukunftsgestaltung plädierte. Carina Stöttner ordnete die Beiträge aus Sicht der Zukunftsforschung ein und betonte, dass gesellschaftliche Hoffnung vor allem durch Vertrauen – in die Zukunft wie ineinander – sowie durch die mutige Kommunikation der leisen Mehrheit getragen wird.

Mehr über den Abend können Sie in der Zusammenfassung von Rezensöhnchen oder der Nürnberger Nachrichten lesen.

Fazit: eine spannende Talk-Runde mit spontanen Beiträgen und Diskussionen.

Sie möchten Carina Stöttner für eine Talk-Runde oder Rede buchen? Vereinbaren Sie ein Gespräch. Mehr über die Rednerin.

Bilder: Henrik Stelter

Chancen für die Industrie: Carina Stöttner im Audi-Forum in Neckarsulm

Am 1. Dezember 2025 war Carina Stöttner zu Gast beim Weihnachtsempfang von Südwestmetall Heilbronn im Audi-Forum Neckarsulm. In ihrem Impuls sprach sie über die Zukunft der deutschen Industrie – über Chancen inmitten der Transformation ebenso wie über die Herausforderungen, die auf Unternehmen und Gesellschaft zukommen. Kommunikationsberater Christian Gleichauf hat den Abend im Anschluss pointiert zusammengefasst – seine Einordnung bildet die Grundlage des folgenden Beitrags.


Deep Tech ist das Thema, um das wir uns kümmern sollten. Das macht Carina Stöttner sehr deutlich. Und das hat auch ein klein wenig mit Heilbronn zu tun.

Die Zukunftsforscherin hat beim Weihnachtsempfang von Südwestmetall im Audi-Forum gestern Abend einige Zukünfte umrissen, die zu denken geben.

In drei von vier Szenarien werden die Bäume in Europa nicht mehr in den Himmel wachsen. Nur wenn wir es schaffen, unsere Stärken zu stärken und ein paar „bahnbrechende Innovationen“ loszutreten, haben wir eine Zukunft, auf die wir uns freuen können.

Dazu braucht es eine gesellschaftsweite Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Lebenslanges Lernen, ein neues Wissenschaftsverständnis, ein neues Selbstverständnis der Industrie, kurz: Transformation.

Am Ende dürfte es auch ein Mix aus verschiedenen Szenarien sein. Der bekannte Ansatz Local for Local wird wohl auf jeden Fall eine Rolle spielen. Man muss allerdings auch hoffen, dass Szenarien, die eine Verzwergung der deutschen und europäischen Wirtschaft zur Folge haben würde, nicht Wirklichkeit werden.

Carina Stöttner gelingt es jedenfalls, innerhalb weniger Minuten die Brisanz deutlich zu machen – vor einem Publikum, das sich eigentlich ständig mit Transformation auseinandersetzt.

Christine Grotz, Vorstandschefin der Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken – Südwestmetall, fragt zu Recht: „Was können wir tun?“ Carina Stöttner redet den Arbeitgeber-Vertretern ins Gewissen: „Die Industrie unterschätzt ihren Hebel.“ Es brauche beispielsweise Grundlagenforschung, und für die wird wohl nicht der Staat in vollem Umfang sorgen. Und es braucht Kooperationen.

Die ehemalige Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch wünscht sich neue Wege in der Ausbildung. Vor den mehr als 160 geladenen Gästen legt Heiko Asum von Fibro Rundtische in Weinsberg den Finger in die Wunde: „Wir sind nicht mehr schnell genug.“

Deeptech, Zusammenarbeit von Industrie und Wissenschaft, die Kombination des „Out of the box“-Denkens eines Daniel Düsentrieb mit der Geschäftstüchtigkeit eines Dagobert Duck, der Einsatz von Robotern, um Produktion auch in Europa zu halten, der klare Fokus auf Zukunftstechnologien wie KI, Chipproduktion und Quantencomputing. Was bei diesen Zutaten auffällt: Das meiste davon entsteht derzeit im Ökosystem Heilbronn oder aus diesem heraus (Schwarz Gruppe!).

Wir sehen also, wie eine Blaupause für Europa entsteht. Und wenn das unsere einzige Chance ist, nicht unterzugehen, dann klingt das so, als müsste es eine Mehrheit geben, die bei diesem Versuch zumindest mitzieht.

Klingt das nicht nach Weihnachtsbotschaft?

Erwähnenswert noch das originelle Begrüßungsvideo von Senta Woldeck und Güldeniz Acar (wo war nur Jörg Ernstberger? 😉). Und nicht zu vergessen: Der Preis Herz der Wirtschaft ging in diesem Jahr in den Main-Tauber-Kreis an die Futurelabs gGmbH. Eine Initiative, die den Experimentiergeist der Jugend anregt, praktische Umsetzung ermöglicht. Passt zum Thema des Abends.

Geben wir Deep Tech eine Chance?


Dieser Beitrag wurde von Christian Gleichauf auf LinkedIn veröffentlicht. Christian ist im schnell wachsenden Ökosystem Heilbronn bestens vernetzt. Er berät Unternehmen und Institutionen in der Kommunikation und bringt dabei seine journalistische Expertise ein (mehr auf seiner Seite www.wortCraft.de).


Zukunft der Industrie: Keynote zum Stahlrecycling beim BDSV-Branchentreff 2025

Wie sieht die Zukunft der Industrie aus? Am 15. und 16. Oktober 2025 traf sich in Osnabrück die deutsche Stahlrecyclingbranche zum jährlichen BDSV-Branchentreff unter dem Motto „Global, Zukunftsstark, Unverzichtbar“. Die Veranstaltung gilt als eine der wichtigsten Plattformen für Austausch und Strategie in der industriellen Transformation.

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, hoher Energiepreise und einer schleppenden Genehmigungspolitik stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt:
Wie kann die Industrie – und insbesondere das Stahlrecycling – Europas Zukunftsfähigkeit sichern?

Als Zukunftsforscherin und Speakerin sprach Carina Stöttner in ihrem Vortrag „Vier Szenarien für die Industrie von morgen – und ihre Bedeutung für das Stahlrecycling“ über technologische, geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen, die die industrielle Landschaft Europas bis 2040 prägen werden.

Vier Szenarien für die Industrie von morgen

In ihrer Keynote zeigte Stöttner, wie sich mögliche Zukunftsbilder auf die Stahl- und Recyclingbranche auswirken könnten:

  • Deeptech-Deutschland: Neue Materialien und Hightech-Stähle machen Recycling zu einem Innovationstreiber.
  • Designed in Germany, Produced in the World: Wenn Produktionsketten abwandern, müssen Recycling und Kreisläufe global gedacht werden.
  • Europäische Regionalindustrie: Protektionistische Tendenzen stellen die Branche vor neue Wettbewerbsbedingungen – Recycling wird zur strategischen Ressource.
  • Local for Local: Regionale Kreisläufe und resiliente Wertschöpfungssysteme schaffen Stabilität in einer fragmentierten Welt.

„Stahlrecycling ist Grundvoraussetzung für die Resilienz Europas“

In ihrem Impuls betonte Stöttner die strategische Bedeutung der Branche für die Zukunftsfähigkeit Europas:

„Stahlrecycling ist Grundvoraussetzung für die Resilienz Europas. Es trägt wesentlich zur Infrastruktur und Wirtschaftsfähigkeit des Kontinents bei. Um innovationsfähig zu bleiben, muss die Branche auch in einem protektionistischeren Umfeld wettbewerbsfähig bleiben.“

Sie machte deutlich, dass die Zukunftsfähigkeit der Industrie nur gelingt, wenn Unternehmen und Politik in gemeinsamen Zukunftsbildern denken – anstatt in kurzfristigen Interessenkonflikten:

„Das Local for Local-Szenario ist vermutlich der realistischste und zugleich konstruktivste Weg nach vorn. Aus der Außenperspektive wirkt es derzeit, als würden sich Stahlproduzenten, Händler und Recycler gegenseitig blockieren – während andere Weltregionen längst strategische Fakten schaffen.
Jetzt ist der Moment, die Fragmentierung zu überwinden und zu verstehen: Es geht nicht um ich gegen dich, sondern um Europa im globalen Wettbewerb.

Zukunftsdenken als Wettbewerbsfaktor

Carina Stöttners Beitrag zeigte eindrücklich, dass Futures Thinking und strategische Vorausschau für Industrien zunehmend zum Wettbewerbsfaktor werden. In der Transformation der europäischen Wirtschaft ist es entscheidend, langfristige Entwicklungen – von Energie- und Rohstoffmärkten bis hin zu neuen Technologien – systematisch in die strategische Planung zu integrieren.

Ihr Vortrag unterstrich: Wer Zukunft gestalten will, muss sie zuerst durchdenken – mit klaren Szenarien, interdisziplinärem Denken und dem Mut, neue Perspektiven einzunehmen.

Impuls beim Bayerischen Tourismustag 2025

Der Bayerische Tourismustag 2025 stand ganz im Zeichen der Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Vom Reden ins Tun kommen – Kooperation als Erfolgsfaktor im Tourismus“ wurde deutlich: Nur gemeinsam gelingt es, gute Ideen in nachhaltiges Handeln zu überführen.

Carina Stöttner hielt in diesem Rahmen die Keynote „Zeitenwende? Gesellschaftswende!“ und lud dazu ein, Wandel als Chance zu begreifen – und nicht als Bedrohung. Denn je komplexer unsere Umwelt wird, desto mehr brauche es geteilte Verantwortung und neue Gemeinschaften.
In ihrer Rede ging sie den Fragen nach:
➡️ Welche gesellschaftlichen Herausforderungen müssen wir heute überwinden, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten?
➡️ Was sind die wichtigsten Säulen für Vertrauen?
➡️ Wie kann die „leise Mehrheit“ lauter werden – und warum ist das so entscheidend?
➡️ Und: Wie schaffen wir es, in Zeiten von KI und Social-Media-Bubbles wieder mehr Gemeinsamkeit statt Unterschiede zu betonen?

Praktische Beispiele aus Bayern und darüber hinaus – von der Trans Bayerwald und dem Übergangshaus Lübecküber die AzubiTopHotels bis hin zum Museumsnetzwerk Donaulimes – zeigten eindrucksvoll, wie Kooperation in der Praxis gelingt und welche Wirkung sie entfalten kann.

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Ein herzliches Dankeschön an Barbara Radomski und das gesamte BayTM-Team für die Einladung, an Moderatorin Helena Felixberger für die charmante Leitung des Tages – und an alle Teilnehmenden für die inspirierenden Gespräche.

Fotos: tourismus.bayern – Florian Trykowski

Futures Thinking – Stöttner beim Vodafone Future Day

Beim Vodafone Future Day sprach Carina Stöttner darüber, warum Zukunftsdenken heute zu einer zentralen Führungsdisziplin wird – und was uns oft daran hindert. Unser Gehirn, so erklärte sie, neige dazu, kurzfristig zu denken und Risiken stärker wahrzunehmen als Chancen – ein Mechanismus, der strategisches Handeln in unsicheren Zeiten erschwert.

In ihrer Arbeit mit Führungskräften gehe es daher nicht darum, Zukunft zu prognostizieren, sondern zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen – denn diese wird bleiben. Sie zeigte, welche kognitiven Tendenzen (wie der Negativitäts-Bias) unser Denken über die Zukunft beeinflussen, wie weit wir sinnvoll vorausblicken sollten, und warum Szenariodenken ein wirksames Werkzeug ist, um Komplexität handhabbar zu machen.

Zukunft, so Stöttner, sei kein Fixpunkt, sondern ein Denkraum: Wer mehrere mögliche Zukünfte entwirft, statt an einer Wahrheit festzuhalten, gewinnt Handlungsfähigkeit zurück.

Zuvor gab Prof. Heiko von der Gracht einen Einblick in die wissenschaftliche Seite der Foresight-Arbeit. Er machte deutlich, dass Zukunftsforschung keine Wahrsagerei ist, sondern auf systematischer Beobachtung, Szenarien und Signalinterpretation beruht. Zukunft, so von der Gracht, entstehe nicht zufällig – sie lasse sich methodisch erkunden, indem man Trends, Wildcards und mögliche Brüche strukturiert analysiert.

Deutschlands Industrie 2045: Vier Zukünfte, die Sie überraschen werden

Warum wir alle am „Normalitätsbias“ leiden

Haben Sie schon einmal vom „Normalitätsbias“ gehört? Es ist die tief in unserem Gehirn verankerte Tendenz zu glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher. Dieses Phänomen lässt sich besonders gut bei prognostizierten Hurricanes beobachten: Obwohl die Gefahr klar ist, halten viele Menschen bis zur letzten Minute daran fest, dass es sie schon nicht treffen wird. Wir unterschätzen Risiken und haben enorme Schwierigkeiten damit, tiefgreifende Veränderungen zu antizipieren.

Genau diese menschliche Eigenschaft ist eine strategische Gefahr für die deutsche Industrie. Zu glauben, der Status quo bliebe erhalten, ist in einer sich rasant wandelnden Welt das größte Risiko. Der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit liegt daher nicht in der Vorhersage, sondern im Denken in Szenarien – einem disziplinierten „Was wäre, wenn“-Ansatz. Nur wer sich heute mit möglichen Zukünften auseinandersetzt, kann in der Krise agieren, anstatt von ihr gelähmt zu werden.

Genau das habe ich in der Studie „Zukunftsszenarien für die Industrie und Industriearbeit“ getan. Dabei habe ich zusammen mit meinen Co-Autoren Jan Berger, Carsten Brandes, Andreas Katzer vier plausible, aber radikal unterschiedliche Zukünfte für die deutsche Industrie im Jahr 2045 entworfen. Dieser Artikel stellt Ihnen die vier überraschendsten Erkenntnisse aus diesen Szenarien vor – vier Aussichten, die unser Bild von der Zukunft radikal in Frage stellen.

Die vier überraschendsten Zukunftsaussichten für die deutsche Industrie

1. Deutschlands Apple-Dilemma: Wohlstand für die Elite, Abstieg für den Rest?

Im Szenario „Designed in Germany, Made in the World“ folgt Deutschland dem Vorbild von Apple: Designed by Apple in California, assembled in China. Die deutsche Industrie spezialisiert sich auf ihre Kernkompetenzen in Forschung, Entwicklung und Design. Ergänzt wird dies durch den Ausbau von Plattform- und Servicelösungen („X-as-a-Service“). Die physische Produktion beschränkt sich auf hochqualitative Kleinserien, während die kostenintensive Massenproduktion konsequent in kosteneffizientere Länder verlagert wird.

Die überraschende und potenziell explosive Konsequenz dieses Modells ist nicht wirtschaftlicher, sondern sozialer Natur. Es entsteht eine tiefe gesellschaftliche Kluft. Auf der einen Seite steht eine hochqualifizierte, international vernetzte und sehr gut verdienende „Industrie-Elite“, die in den Entwicklungszentren arbeitet. Auf der anderen Seite stehen die ehemaligen Facharbeiter aus der Produktion, die in andere Sektoren abwandern oder Schwierigkeiten haben, auf dem neuen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dieser Strukturwandel erinnert an den Niedergang der deutschen Textilindustrie, der die soziale Sprengkraft einer solchen Entwicklung verdeutlicht.

2. Resilienz hat ihren Preis: Warum ein autarkes Europa uns ärmer machen könnte

Das Szenario „Europäische Regional-Industrie“ beschreibt eine Zukunft, die von Protektionismus und dem Wunsch nach regionaler Stabilität geprägt ist. Getrieben von geopolitischen Spannungen koppelt sich Europa vom Weltmarkt ab, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Produktion wird nach Deutschland und Europa zurückgeholt (Reshoring).

Die kontraintuitive Kernaussage dieses Szenarios lautet: Der verständliche Wunsch nach mehr Sicherheit könnte Deutschland ärmer machen. Die Abkopplung vom Weltmarkt würde die Exportnation hart treffen. Berechnungen der Stiftung Familienunternehmen deuten darauf hin, dass das reale Pro-Kopf-Einkommen kurzfristig um bis zu 20 % sinken könnte, langfristig um 6 %. In dieser Zukunft gäbe es klare Verlierer wie die Automobilindustrie und die Hochtechnologie, während Grundversorger wie Lebensmittel, Energie (Biomasse, Atomkraft) und die Recycling-Wirtschaft zu den Gewinnern zählten. Innovation bedeutet hier nicht, bahnbrechende Technologien zu schaffen, sondern erfordert einen frugalen Ansatz mit begrenzten Mitteln: die kreative Fähigkeit, buchstäblich „das Rad neu zu erfinden“, indem man bestehende Produkte mit den Ressourcen baut, die gerade verfügbar sind.

3. Das Ende deutscher Standards: Wenn die Waschmaschine bald ein „Sari-Programm“ hat

Im Szenario „Local for Local“ reagieren deutsche Unternehmen auf globale Unsicherheiten, indem sie Produktionsstätten in jeder wichtigen Weltregion aufbauen, um die dortigen Märkte direkt zu bedienen. Forschung und Entwicklung (F&E) bleiben zunächst in Deutschland, doch die globale Machtbalance verschiebt sich. Die Produktentwicklung richtet sich zunehmend nicht mehr nach europäischen, sondern nach den bevölkerungsstärkeren und kaufkräftigeren Regionalblöcken wie Indien aus.

Die überraschendste Folge ist der Verlust der globalen Standardsetzungsmacht Deutschlands. Das prägnante Beispiel aus der Studie verdeutlicht dies:

„Das heißt, ich habe vielleicht eine Waschmaschine, die in Zukunft statt einem Feinwaschprogramm ein Sari Waschprogramm hat und wir bekommen dann im Grunde nur noch die Anpassung.“

Deutschland wäre nicht mehr der globale Taktgeber, sondern nur noch ein Markt, für den Produkte angepasst werden. Dieser Machtverlust würde langfristig auch die entscheidende Frage aufwerfen, warum Forschung und Entwicklung überhaupt noch in Deutschland angesiedelt sein sollten, wenn die wichtigsten Kunden und Märkte woanders sitzen.

4. Der neue Industriearbeiter: Mehr Daniel Düsentrieb als klassischer Facharbeiter

Das optimistischste Szenario heißt „Deeptech-Deutschland“. Hier geht es nicht darum, bestehende Produkte nur zu optimieren – ein Auto noch etwas schneller oder effizienter zu machen –, sondern darum, fundamentale Probleme wie den Klimawandel oder Überalterung auf einer grundlegenden Ebene zu lösen. Deutschland entwickelt sich zu einem weltweit führenden Standort für hochinnovative Technologien wie selbstheilende Materialien, klimaresistente Pflanzen oder Lebensmittel aus der Petrischale.

Die überraschendste Anforderung dieser Zukunft betrifft die Arbeitskräfte. Gefragt sind nicht mehr nur klassisch ausgebildete Ingenieure, sondern sogenannte „New Collar Worker“. Dieser neue Typus von Industriearbeiter vereint technische, manuelle und theoretische Kompetenzen. Oft sind es Quereinsteiger aus völlig anderen Disziplinen, die neue Perspektiven einbringen. Die Studie nutzt eine treffende Analogie: Gefragt ist der Geist eines „Daniel Düsentrieb“, also eines genialen Erfinders, kombiniert mit einem „Dagobert Duck Mindset“ – dem unternehmerischen Gespür, aus brillanten Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte zu machen.

Fazit: Die Zukunft ist, was wir daraus machen

Diese vier Szenarien sind keine Vorhersagen. Sie sind plausible Gedankenexperimente, die uns die Bandbreite möglicher Zukünfte aufzeigen und helfen, den „Normalitätsbias“ zu überwinden. Sie zwingen uns, unbequeme Fragen zu stellen und strategische Optionen für morgen schon heute zu durchdenken. Die Zukunft ist nicht vorbestimmt. Die Weichen werden zwischen einem gespaltenen Eliten-Staat, einem resilienten, aber ärmeren Kontinent, dem Verlust globalen Einflusses oder der anspruchsvollen Neuerfindung unserer Arbeitswelt gestellt.

Wenn Sie Interesse an einer Keynote zu dem Thema haben oder in den Austausch dazu gehen möchten, weil Sie oder Ihre Kunden Teil der europäischen Industrie sind, sprechen Sie mich gerne an.