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Schlagwort: Stöttner

Carina Stöttner über KI in der Rai Tagesschau

Die größten Risiken von KI liegen nicht in einer Maschine, die sich verselbstständigt – sondern darin, wie wir sie einsetzen. Das ist die Kernbotschaft von Zukunftsforscherin und Soziologin Carina Stöttner. Im Rahmen der Digital ConnecT in Bozen sprach sie darüber im Morgengespräch bei Rai Radio und in der Tagesschau von Rai Südtirol.

Moralische Panik statt Weltuntergang

Ein düsteres KI-Szenario hält Stöttner für weit weniger wahrscheinlich als oft dargestellt. Die Debatte sei von einer „moralischen Panik“ geprägt, wie sie neue Technologien regelmäßig begleitet. Schon bei der Eisenbahn fürchtete man, hohe Geschwindigkeiten führten zu Blindheit.

Manche Warnungen haben laut Stöttner auch strategische Gründe: Wer vor den Gefahren warnt, inszeniert sich zugleich als der, der die Zügel in der Hand hält.

KI ist nur so mächtig, wie wir sie lassen

Moderne KI-Systeme können in gewissem Umfang selbstständig handeln – das bringt neue Risiken. Doch sie brauchen Server, Energie und Rechenzentren und können nicht unbegrenzt Macht anhäufen. „Eine KI ist nur so mächtig, inwiefern wir ihr auch Zugang und Zugriff zu dieser Welt geben“, sagt Stöttner.

Kritische Entscheidungen oder ganze Infrastrukturen sollten deshalb nicht ungeprüft an KI übergeben werden. Nötig sind klare gesetzliche Vorgaben und ethische Leitplanken.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Südtiroler Betrieben rät Stöttner, nicht aus „Fear of Missing Out“ in KI-Tools zu investieren. Zuerst sollte klar sein, welches Problem gelöst werden soll. Für Handwerk, Hotellerie und Handel sieht sie viel Potenzial in der Verwaltung: Terminvergabe, Rechnungen, Anfragen.

Was Menschen gerne tun und worauf sie stolz sind, sollte dagegen bleiben. „Wenn ich den Teil wegnehme, die Kernkompetenz, dann nehme ich den Menschen auch ein Stück weit das weg, worauf sie sich jeden Tag freuen in der Arbeit“, so Stöttner.

Auch Vertrauen bleibt menschlich. KI erkennt Muster in großen Datenmengen, etwa in der Brustkrebs-Diagnostik, oft früher als der Mensch. Eine schwere Diagnose will aber niemand von einer Computerstimme hören. Gerade in familiengeführten Betrieben in Gastronomie und Tourismus ist der persönliche Kontakt oft entscheidend.

Nicht Mensch oder Maschine

Stöttners Fazit: Entscheidend ist nicht die Frage „Mensch oder Maschine“, sondern wo Menschen den größeren Mehrwert schaffen – und wo KI sinnvoll unterstützen kann.

Zum Nachhören und Nachsehen:

Carina Stöttner gründet die Futurewise Company

Im Januar 2026 hat die Soziologin und Zukunftsforscherin Carina Stöttner die Futurewise Company gegründet. Das europaweit tätige Beratungsunternehmen unterstützt Vorstände und Führungsteams dabei, in Zeiten permanenter Unsicherheit strategisch handlungsfähig zu bleiben.

Futurewise begleitet Executive-Offsites, entwickelt Futures-Thinking-Projekte zur Erschließung neuer Wachstumsfelder und führt Strategie-Checks durch. Ziel ist es, Unternehmen Orientierung in komplexen Zukunftslagen zu geben – ohne Scheinsicherheit, aber mit klaren Entscheidungsgrundlagen.

Ausgangspunkt der Gründung sind die tiefgreifenden Umbrüche der vergangenen Jahre: Pandemie, geopolitische Konflikte, Energiekrise, Inflation und fragile Lieferketten. In diesem Umfeld, so Stöttner, reiche die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle nicht mehr aus. Wachstum entstehe zunehmend dort, wo Unsicherheit herrsche – und genau diese Räume müssten Unternehmen strukturiert erschließen.

Mit Szenarioarbeit und Futures Thinking schafft Futurewise Entscheidungsräume, in denen mögliche Zukünfte systematisch durchdacht und strategische Optionen abgewogen werden können. Der Fokus liegt auf Resilienz als Voraussetzung für neues Wachstum – nicht als Rückzug, sondern als bewusste Öffnung für zukünftige Märkte und Geschäftsmodelle.