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Autor: admin

Carina Stöttner gründet die Futurewise Company

Im Januar 2026 hat die Soziologin und Zukunftsforscherin Carina Stöttner die Futurewise Company gegründet. Das europaweit tätige Beratungsunternehmen unterstützt Vorstände und Führungsteams dabei, in Zeiten permanenter Unsicherheit strategisch handlungsfähig zu bleiben.

Futurewise begleitet Executive-Offsites, entwickelt Futures-Thinking-Projekte zur Erschließung neuer Wachstumsfelder und führt Strategie-Checks durch. Ziel ist es, Unternehmen Orientierung in komplexen Zukunftslagen zu geben – ohne Scheinsicherheit, aber mit klaren Entscheidungsgrundlagen.

Ausgangspunkt der Gründung sind die tiefgreifenden Umbrüche der vergangenen Jahre: Pandemie, geopolitische Konflikte, Energiekrise, Inflation und fragile Lieferketten. In diesem Umfeld, so Stöttner, reiche die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle nicht mehr aus. Wachstum entstehe zunehmend dort, wo Unsicherheit herrsche – und genau diese Räume müssten Unternehmen strukturiert erschließen.

Mit Szenarioarbeit und Futures Thinking schafft Futurewise Entscheidungsräume, in denen mögliche Zukünfte systematisch durchdacht und strategische Optionen abgewogen werden können. Der Fokus liegt auf Resilienz als Voraussetzung für neues Wachstum – nicht als Rückzug, sondern als bewusste Öffnung für zukünftige Märkte und Geschäftsmodelle.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Talk-Runde im Theater

Eine Talk-Runde über Vertrauen, Zukunft und gesellschaftliche Verantwortung im Markgrafentheater Erlangen

Kann man Hoffnung neu lernen, in einer Zeit, die von Polykrisen, politischer Radikalisierung, technologischer Überforderung und ökologischer Ohnmacht geprägt ist? Diese Frage stand im Zentrum der zweiten Ausgabe des Talkformats Amt 44 am Schauspiel Erlangen, die am 16. Dezember 2025 im Markgrafentheater stattfand.

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Frühjahr widmete sich das Format erneut einem Thema, das aktueller kaum sein könnte. Moderiert von Matthias Köhler, Hausregisseur und Teil der künstlerischen Leitung, ging es dabei nicht um schnelle Antworten oder moralische Eindeutigkeiten. Im Mittelpunkt stand – wie es dem Format entspricht – die richtige Frage.

Auf dem Podium trafen vier sehr unterschiedliche Perspektiven aufeinander:
Peter Dabrock, Theologe und Ethiker sowie ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Ethikrats;
Baro Vicenta Ra Gabbert, Autorin, Juristin und Sprecherin für sozial-ökologische Gerechtigkeit bei Greenpeace;
Vincent C. Müller, Philosoph und Humboldt-Professor für die Philosophie der Künstlichen Intelligenz;
sowie Carina Stöttner, Zukunftsforscherin und Beraterin für Führungsteams.

Peter Dabrock brachte eine ethisch-theologische Perspektive ein und verstand Hoffnung als bewusste Haltung, die auch ohne Optimismus handlungsfähig bleibt. Baro Vicenta Ra Gabbert sprach aus der Praxis des Aktivismus und zeigte, wie Hoffnung aus täglichem Engagement entsteht – insbesondere durch junge Menschen, selbst angesichts politischer Rückschläge. Vincent C. Müller öffnete einen philosophisch-technologischen Horizont, indem er für das konsequente Durchdenken von Worst-Case-Szenarien als Voraussetzung verantwortungsvoller Zukunftsgestaltung plädierte. Carina Stöttner ordnete die Beiträge aus Sicht der Zukunftsforschung ein und betonte, dass gesellschaftliche Hoffnung vor allem durch Vertrauen – in die Zukunft wie ineinander – sowie durch die mutige Kommunikation der leisen Mehrheit getragen wird.

Mehr über den Abend können Sie in der Zusammenfassung von Rezensöhnchen oder der Nürnberger Nachrichten lesen.

Fazit: eine spannende Talk-Runde mit spontanen Beiträgen und Diskussionen.

Sie möchten Carina Stöttner für eine Talk-Runde oder Rede buchen? Vereinbaren Sie ein Gespräch. Mehr über die Rednerin.

Bilder: Henrik Stelter

Chancen für die Industrie: Carina Stöttner im Audi-Forum in Neckarsulm

Am 1. Dezember 2025 war Carina Stöttner zu Gast beim Weihnachtsempfang von Südwestmetall Heilbronn im Audi-Forum Neckarsulm. In ihrem Impuls sprach sie über die Zukunft der deutschen Industrie – über Chancen inmitten der Transformation ebenso wie über die Herausforderungen, die auf Unternehmen und Gesellschaft zukommen. Kommunikationsberater Christian Gleichauf hat den Abend im Anschluss pointiert zusammengefasst – seine Einordnung bildet die Grundlage des folgenden Beitrags.


Deep Tech ist das Thema, um das wir uns kümmern sollten. Das macht Carina Stöttner sehr deutlich. Und das hat auch ein klein wenig mit Heilbronn zu tun.

Die Zukunftsforscherin hat beim Weihnachtsempfang von Südwestmetall im Audi-Forum gestern Abend einige Zukünfte umrissen, die zu denken geben.

In drei von vier Szenarien werden die Bäume in Europa nicht mehr in den Himmel wachsen. Nur wenn wir es schaffen, unsere Stärken zu stärken und ein paar „bahnbrechende Innovationen“ loszutreten, haben wir eine Zukunft, auf die wir uns freuen können.

Dazu braucht es eine gesellschaftsweite Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Lebenslanges Lernen, ein neues Wissenschaftsverständnis, ein neues Selbstverständnis der Industrie, kurz: Transformation.

Am Ende dürfte es auch ein Mix aus verschiedenen Szenarien sein. Der bekannte Ansatz Local for Local wird wohl auf jeden Fall eine Rolle spielen. Man muss allerdings auch hoffen, dass Szenarien, die eine Verzwergung der deutschen und europäischen Wirtschaft zur Folge haben würde, nicht Wirklichkeit werden.

Carina Stöttner gelingt es jedenfalls, innerhalb weniger Minuten die Brisanz deutlich zu machen – vor einem Publikum, das sich eigentlich ständig mit Transformation auseinandersetzt.

Christine Grotz, Vorstandschefin der Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken – Südwestmetall, fragt zu Recht: „Was können wir tun?“ Carina Stöttner redet den Arbeitgeber-Vertretern ins Gewissen: „Die Industrie unterschätzt ihren Hebel.“ Es brauche beispielsweise Grundlagenforschung, und für die wird wohl nicht der Staat in vollem Umfang sorgen. Und es braucht Kooperationen.

Die ehemalige Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch wünscht sich neue Wege in der Ausbildung. Vor den mehr als 160 geladenen Gästen legt Heiko Asum von Fibro Rundtische in Weinsberg den Finger in die Wunde: „Wir sind nicht mehr schnell genug.“

Deeptech, Zusammenarbeit von Industrie und Wissenschaft, die Kombination des „Out of the box“-Denkens eines Daniel Düsentrieb mit der Geschäftstüchtigkeit eines Dagobert Duck, der Einsatz von Robotern, um Produktion auch in Europa zu halten, der klare Fokus auf Zukunftstechnologien wie KI, Chipproduktion und Quantencomputing. Was bei diesen Zutaten auffällt: Das meiste davon entsteht derzeit im Ökosystem Heilbronn oder aus diesem heraus (Schwarz Gruppe!).

Wir sehen also, wie eine Blaupause für Europa entsteht. Und wenn das unsere einzige Chance ist, nicht unterzugehen, dann klingt das so, als müsste es eine Mehrheit geben, die bei diesem Versuch zumindest mitzieht.

Klingt das nicht nach Weihnachtsbotschaft?

Erwähnenswert noch das originelle Begrüßungsvideo von Senta Woldeck und Güldeniz Acar (wo war nur Jörg Ernstberger? 😉). Und nicht zu vergessen: Der Preis Herz der Wirtschaft ging in diesem Jahr in den Main-Tauber-Kreis an die Futurelabs gGmbH. Eine Initiative, die den Experimentiergeist der Jugend anregt, praktische Umsetzung ermöglicht. Passt zum Thema des Abends.

Geben wir Deep Tech eine Chance?


Dieser Beitrag wurde von Christian Gleichauf auf LinkedIn veröffentlicht. Christian ist im schnell wachsenden Ökosystem Heilbronn bestens vernetzt. Er berät Unternehmen und Institutionen in der Kommunikation und bringt dabei seine journalistische Expertise ein (mehr auf seiner Seite www.wortCraft.de).


Zukunft der Industrie: Keynote zum Stahlrecycling beim BDSV-Branchentreff 2025

Wie sieht die Zukunft der Industrie aus? Am 15. und 16. Oktober 2025 traf sich in Osnabrück die deutsche Stahlrecyclingbranche zum jährlichen BDSV-Branchentreff unter dem Motto „Global, Zukunftsstark, Unverzichtbar“. Die Veranstaltung gilt als eine der wichtigsten Plattformen für Austausch und Strategie in der industriellen Transformation.

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, hoher Energiepreise und einer schleppenden Genehmigungspolitik stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt:
Wie kann die Industrie – und insbesondere das Stahlrecycling – Europas Zukunftsfähigkeit sichern?

Als Zukunftsforscherin und Speakerin sprach Carina Stöttner in ihrem Vortrag „Vier Szenarien für die Industrie von morgen – und ihre Bedeutung für das Stahlrecycling“ über technologische, geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen, die die industrielle Landschaft Europas bis 2040 prägen werden.

Vier Szenarien für die Industrie von morgen

In ihrer Keynote zeigte Stöttner, wie sich mögliche Zukunftsbilder auf die Stahl- und Recyclingbranche auswirken könnten:

  • Deeptech-Deutschland: Neue Materialien und Hightech-Stähle machen Recycling zu einem Innovationstreiber.
  • Designed in Germany, Produced in the World: Wenn Produktionsketten abwandern, müssen Recycling und Kreisläufe global gedacht werden.
  • Europäische Regionalindustrie: Protektionistische Tendenzen stellen die Branche vor neue Wettbewerbsbedingungen – Recycling wird zur strategischen Ressource.
  • Local for Local: Regionale Kreisläufe und resiliente Wertschöpfungssysteme schaffen Stabilität in einer fragmentierten Welt.

„Stahlrecycling ist Grundvoraussetzung für die Resilienz Europas“

In ihrem Impuls betonte Stöttner die strategische Bedeutung der Branche für die Zukunftsfähigkeit Europas:

„Stahlrecycling ist Grundvoraussetzung für die Resilienz Europas. Es trägt wesentlich zur Infrastruktur und Wirtschaftsfähigkeit des Kontinents bei. Um innovationsfähig zu bleiben, muss die Branche auch in einem protektionistischeren Umfeld wettbewerbsfähig bleiben.“

Sie machte deutlich, dass die Zukunftsfähigkeit der Industrie nur gelingt, wenn Unternehmen und Politik in gemeinsamen Zukunftsbildern denken – anstatt in kurzfristigen Interessenkonflikten:

„Das Local for Local-Szenario ist vermutlich der realistischste und zugleich konstruktivste Weg nach vorn. Aus der Außenperspektive wirkt es derzeit, als würden sich Stahlproduzenten, Händler und Recycler gegenseitig blockieren – während andere Weltregionen längst strategische Fakten schaffen.
Jetzt ist der Moment, die Fragmentierung zu überwinden und zu verstehen: Es geht nicht um ich gegen dich, sondern um Europa im globalen Wettbewerb.

Zukunftsdenken als Wettbewerbsfaktor

Carina Stöttners Beitrag zeigte eindrücklich, dass Futures Thinking und strategische Vorausschau für Industrien zunehmend zum Wettbewerbsfaktor werden. In der Transformation der europäischen Wirtschaft ist es entscheidend, langfristige Entwicklungen – von Energie- und Rohstoffmärkten bis hin zu neuen Technologien – systematisch in die strategische Planung zu integrieren.

Ihr Vortrag unterstrich: Wer Zukunft gestalten will, muss sie zuerst durchdenken – mit klaren Szenarien, interdisziplinärem Denken und dem Mut, neue Perspektiven einzunehmen.

Impuls beim Bayerischen Tourismustag 2025

Der Bayerische Tourismustag 2025 stand ganz im Zeichen der Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Vom Reden ins Tun kommen – Kooperation als Erfolgsfaktor im Tourismus“ wurde deutlich: Nur gemeinsam gelingt es, gute Ideen in nachhaltiges Handeln zu überführen.

Carina Stöttner hielt in diesem Rahmen die Keynote „Zeitenwende? Gesellschaftswende!“ und lud dazu ein, Wandel als Chance zu begreifen – und nicht als Bedrohung. Denn je komplexer unsere Umwelt wird, desto mehr brauche es geteilte Verantwortung und neue Gemeinschaften.
In ihrer Rede ging sie den Fragen nach:
➡️ Welche gesellschaftlichen Herausforderungen müssen wir heute überwinden, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten?
➡️ Was sind die wichtigsten Säulen für Vertrauen?
➡️ Wie kann die „leise Mehrheit“ lauter werden – und warum ist das so entscheidend?
➡️ Und: Wie schaffen wir es, in Zeiten von KI und Social-Media-Bubbles wieder mehr Gemeinsamkeit statt Unterschiede zu betonen?

Praktische Beispiele aus Bayern und darüber hinaus – von der Trans Bayerwald und dem Übergangshaus Lübecküber die AzubiTopHotels bis hin zum Museumsnetzwerk Donaulimes – zeigten eindrucksvoll, wie Kooperation in der Praxis gelingt und welche Wirkung sie entfalten kann.

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Ein herzliches Dankeschön an Barbara Radomski und das gesamte BayTM-Team für die Einladung, an Moderatorin Helena Felixberger für die charmante Leitung des Tages – und an alle Teilnehmenden für die inspirierenden Gespräche.

Fotos: tourismus.bayern – Florian Trykowski

Futures Thinking – Stöttner beim Vodafone Future Day

Beim Vodafone Future Day sprach Carina Stöttner darüber, warum Zukunftsdenken heute zu einer zentralen Führungsdisziplin wird – und was uns oft daran hindert. Unser Gehirn, so erklärte sie, neige dazu, kurzfristig zu denken und Risiken stärker wahrzunehmen als Chancen – ein Mechanismus, der strategisches Handeln in unsicheren Zeiten erschwert.

In ihrer Arbeit mit Führungskräften gehe es daher nicht darum, Zukunft zu prognostizieren, sondern zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen – denn diese wird bleiben. Sie zeigte, welche kognitiven Tendenzen (wie der Negativitäts-Bias) unser Denken über die Zukunft beeinflussen, wie weit wir sinnvoll vorausblicken sollten, und warum Szenariodenken ein wirksames Werkzeug ist, um Komplexität handhabbar zu machen.

Zukunft, so Stöttner, sei kein Fixpunkt, sondern ein Denkraum: Wer mehrere mögliche Zukünfte entwirft, statt an einer Wahrheit festzuhalten, gewinnt Handlungsfähigkeit zurück.

Zuvor gab Prof. Heiko von der Gracht einen Einblick in die wissenschaftliche Seite der Foresight-Arbeit. Er machte deutlich, dass Zukunftsforschung keine Wahrsagerei ist, sondern auf systematischer Beobachtung, Szenarien und Signalinterpretation beruht. Zukunft, so von der Gracht, entstehe nicht zufällig – sie lasse sich methodisch erkunden, indem man Trends, Wildcards und mögliche Brüche strukturiert analysiert.

Deutschlands Industrie 2045: Vier Zukünfte, die Sie überraschen werden

Warum wir alle am „Normalitätsbias“ leiden

Haben Sie schon einmal vom „Normalitätsbias“ gehört? Es ist die tief in unserem Gehirn verankerte Tendenz zu glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher. Dieses Phänomen lässt sich besonders gut bei prognostizierten Hurricanes beobachten: Obwohl die Gefahr klar ist, halten viele Menschen bis zur letzten Minute daran fest, dass es sie schon nicht treffen wird. Wir unterschätzen Risiken und haben enorme Schwierigkeiten damit, tiefgreifende Veränderungen zu antizipieren.

Genau diese menschliche Eigenschaft ist eine strategische Gefahr für die deutsche Industrie. Zu glauben, der Status quo bliebe erhalten, ist in einer sich rasant wandelnden Welt das größte Risiko. Der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit liegt daher nicht in der Vorhersage, sondern im Denken in Szenarien – einem disziplinierten „Was wäre, wenn“-Ansatz. Nur wer sich heute mit möglichen Zukünften auseinandersetzt, kann in der Krise agieren, anstatt von ihr gelähmt zu werden.

Genau das habe ich in der Studie „Zukunftsszenarien für die Industrie und Industriearbeit“ getan. Dabei habe ich zusammen mit meinen Co-Autoren Jan Berger, Carsten Brandes, Andreas Katzer vier plausible, aber radikal unterschiedliche Zukünfte für die deutsche Industrie im Jahr 2045 entworfen. Dieser Artikel stellt Ihnen die vier überraschendsten Erkenntnisse aus diesen Szenarien vor – vier Aussichten, die unser Bild von der Zukunft radikal in Frage stellen.

Die vier überraschendsten Zukunftsaussichten für die deutsche Industrie

1. Deutschlands Apple-Dilemma: Wohlstand für die Elite, Abstieg für den Rest?

Im Szenario „Designed in Germany, Made in the World“ folgt Deutschland dem Vorbild von Apple: Designed by Apple in California, assembled in China. Die deutsche Industrie spezialisiert sich auf ihre Kernkompetenzen in Forschung, Entwicklung und Design. Ergänzt wird dies durch den Ausbau von Plattform- und Servicelösungen („X-as-a-Service“). Die physische Produktion beschränkt sich auf hochqualitative Kleinserien, während die kostenintensive Massenproduktion konsequent in kosteneffizientere Länder verlagert wird.

Die überraschende und potenziell explosive Konsequenz dieses Modells ist nicht wirtschaftlicher, sondern sozialer Natur. Es entsteht eine tiefe gesellschaftliche Kluft. Auf der einen Seite steht eine hochqualifizierte, international vernetzte und sehr gut verdienende „Industrie-Elite“, die in den Entwicklungszentren arbeitet. Auf der anderen Seite stehen die ehemaligen Facharbeiter aus der Produktion, die in andere Sektoren abwandern oder Schwierigkeiten haben, auf dem neuen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dieser Strukturwandel erinnert an den Niedergang der deutschen Textilindustrie, der die soziale Sprengkraft einer solchen Entwicklung verdeutlicht.

2. Resilienz hat ihren Preis: Warum ein autarkes Europa uns ärmer machen könnte

Das Szenario „Europäische Regional-Industrie“ beschreibt eine Zukunft, die von Protektionismus und dem Wunsch nach regionaler Stabilität geprägt ist. Getrieben von geopolitischen Spannungen koppelt sich Europa vom Weltmarkt ab, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Produktion wird nach Deutschland und Europa zurückgeholt (Reshoring).

Die kontraintuitive Kernaussage dieses Szenarios lautet: Der verständliche Wunsch nach mehr Sicherheit könnte Deutschland ärmer machen. Die Abkopplung vom Weltmarkt würde die Exportnation hart treffen. Berechnungen der Stiftung Familienunternehmen deuten darauf hin, dass das reale Pro-Kopf-Einkommen kurzfristig um bis zu 20 % sinken könnte, langfristig um 6 %. In dieser Zukunft gäbe es klare Verlierer wie die Automobilindustrie und die Hochtechnologie, während Grundversorger wie Lebensmittel, Energie (Biomasse, Atomkraft) und die Recycling-Wirtschaft zu den Gewinnern zählten. Innovation bedeutet hier nicht, bahnbrechende Technologien zu schaffen, sondern erfordert einen frugalen Ansatz mit begrenzten Mitteln: die kreative Fähigkeit, buchstäblich „das Rad neu zu erfinden“, indem man bestehende Produkte mit den Ressourcen baut, die gerade verfügbar sind.

3. Das Ende deutscher Standards: Wenn die Waschmaschine bald ein „Sari-Programm“ hat

Im Szenario „Local for Local“ reagieren deutsche Unternehmen auf globale Unsicherheiten, indem sie Produktionsstätten in jeder wichtigen Weltregion aufbauen, um die dortigen Märkte direkt zu bedienen. Forschung und Entwicklung (F&E) bleiben zunächst in Deutschland, doch die globale Machtbalance verschiebt sich. Die Produktentwicklung richtet sich zunehmend nicht mehr nach europäischen, sondern nach den bevölkerungsstärkeren und kaufkräftigeren Regionalblöcken wie Indien aus.

Die überraschendste Folge ist der Verlust der globalen Standardsetzungsmacht Deutschlands. Das prägnante Beispiel aus der Studie verdeutlicht dies:

„Das heißt, ich habe vielleicht eine Waschmaschine, die in Zukunft statt einem Feinwaschprogramm ein Sari Waschprogramm hat und wir bekommen dann im Grunde nur noch die Anpassung.“

Deutschland wäre nicht mehr der globale Taktgeber, sondern nur noch ein Markt, für den Produkte angepasst werden. Dieser Machtverlust würde langfristig auch die entscheidende Frage aufwerfen, warum Forschung und Entwicklung überhaupt noch in Deutschland angesiedelt sein sollten, wenn die wichtigsten Kunden und Märkte woanders sitzen.

4. Der neue Industriearbeiter: Mehr Daniel Düsentrieb als klassischer Facharbeiter

Das optimistischste Szenario heißt „Deeptech-Deutschland“. Hier geht es nicht darum, bestehende Produkte nur zu optimieren – ein Auto noch etwas schneller oder effizienter zu machen –, sondern darum, fundamentale Probleme wie den Klimawandel oder Überalterung auf einer grundlegenden Ebene zu lösen. Deutschland entwickelt sich zu einem weltweit führenden Standort für hochinnovative Technologien wie selbstheilende Materialien, klimaresistente Pflanzen oder Lebensmittel aus der Petrischale.

Die überraschendste Anforderung dieser Zukunft betrifft die Arbeitskräfte. Gefragt sind nicht mehr nur klassisch ausgebildete Ingenieure, sondern sogenannte „New Collar Worker“. Dieser neue Typus von Industriearbeiter vereint technische, manuelle und theoretische Kompetenzen. Oft sind es Quereinsteiger aus völlig anderen Disziplinen, die neue Perspektiven einbringen. Die Studie nutzt eine treffende Analogie: Gefragt ist der Geist eines „Daniel Düsentrieb“, also eines genialen Erfinders, kombiniert mit einem „Dagobert Duck Mindset“ – dem unternehmerischen Gespür, aus brillanten Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte zu machen.

Fazit: Die Zukunft ist, was wir daraus machen

Diese vier Szenarien sind keine Vorhersagen. Sie sind plausible Gedankenexperimente, die uns die Bandbreite möglicher Zukünfte aufzeigen und helfen, den „Normalitätsbias“ zu überwinden. Sie zwingen uns, unbequeme Fragen zu stellen und strategische Optionen für morgen schon heute zu durchdenken. Die Zukunft ist nicht vorbestimmt. Die Weichen werden zwischen einem gespaltenen Eliten-Staat, einem resilienten, aber ärmeren Kontinent, dem Verlust globalen Einflusses oder der anspruchsvollen Neuerfindung unserer Arbeitswelt gestellt.

Wenn Sie Interesse an einer Keynote zu dem Thema haben oder in den Austausch dazu gehen möchten, weil Sie oder Ihre Kunden Teil der europäischen Industrie sind, sprechen Sie mich gerne an.

Carina Stöttner beim Businessfrühstück im Cinque-Spiegelzelt: Neue Impulse für Kleves Wirtschaft

Rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Kleve und Umgebung folgten der Einladung der Wirtschaft, Tourismus & Marketing Stadt Kleve GmbH (WTM) zum beliebten Businessfrühstück. Dieses Mal fand die Veranstaltung im besonderen Ambiente des Cinque-Spiegelzelts statt – ein Rahmen, der Inspiration und Austausch perfekt miteinander verband.

Wirtschaft im Fokus der Stadt

Zu Beginn stellte Bürgermeister Wolfgang Gebing die Veranstaltung ein. Im Anschluss gab WTM-Geschäftsführerin Verena Rohde Einblicke in die nächsten organisatorischen und inhaltlichen Schritte, die die Sichtbarkeit der Stadt Kleve und damit den Wirtschaftsstandort insgesamt stärken sollen.

Vortrag zur Klimatransformation

Mit dem Titel „Klimatransformation – Chancen für die Wirtschaft?“ lieferten die beiden Referenten, Zukunftsforscherin Carina Stöttner und Dr. Lothar Abicht, spannende Denkanstöße. Sie zeigten auf, welche Herausforderungen, aber auch welche konkreten Chancen die Klimawende für Unternehmen mit sich bringt – von neuen Geschäftsmodellen über technologische Entwicklungen bis hin zu Standortfragen.

Das große Interesse der Teilnehmenden zeigte sich vor allem im anschließenden Dialog: Besonders lebhaft wurde es, als die Perspektiven und Potenziale für die Stadt Kleve selbst in den Mittelpunkt rückten.

Austausch und Netzwerken

Nach den Vorträgen nutzten die Unternehmerinnen und Unternehmer die Gelegenheit, beim gemeinsamen Frühstück Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und mögliche Kooperationen anzubahnen.

European Forum Alpbach 2025 – Europa-Inspiration zwischen Alpenpanorama und geopolitischen Debatten

European Forum Alpbach 2025 – Inspiration zwischen Alpenpanorama und geopolitischen Debatten

  • Carina Stöttner

Wenn Nobelpreisträger, Kanzlerkandidaten, Außenministerinnen, Ministerpräsidenten, Tech-Leader, EU-Botschafter und führende Wissenschaftlerinnen zusammenkommen und buchstäblich gemeinsam auf Wanderschaft gehen, um miteinander zu sprechen, dann ist man wohl in Alpbach gelandet.

Das European Forum Alpbach (EFA) gilt als eine Art „europäisches Davos“ mit starkem Fokus auf Demokratie, Gesellschaft und die Rolle Europas in der Welt. Seit 1945 ist das kleine Tiroler Alpendorf einmal im Jahr ein Treffpunkt für Menschen, die Zukunft gestalten: Entscheidungsträger:innen, Vordenker:innen, junge Talente. Unter dem Motto „Recharge Europe“ stand 2025 die Frage im Mittelpunkt, wie Europa in Zeiten multipler Krisen wieder Energie und Orientierungskraft entwickeln kann.

Ich war dieses Jahr erstmals dabei und wollte bewusst einmal aus meiner klassischen Wirtschafts-Bubble in die EU- und Zivilgesellschafts-Bubble springen. Denn welche politischen Rahmenbedingungen gerade im Hintergrund verhandelt werden und welche gesellschaftlichen Zukunftsfragen dort diskutiert werden, ist letztlich auch für die Zukunft von Unternehmen und Wirtschaft hochrelevant.

Ein schönes Zitat aus einem Image-Film als Auftakt zu einer der Diskussionsrunden:

„Dieser Kontinent ist nicht auf Selbstzweifel gegründet. Er besteht aus Menschen mit Mut, Solidarität und dem Willen, ihre Stimme zu erheben.“

Othmar Karas, Präsident des Europäischen Forums Alpbach sagt, wir müssen uns in Perspektivenvielfalt üben:

„Jemand anderes kann genauso recht haben wie ich. Der Schlüssel liegt darin, Kompromisse zu finden.“

Meine Sessions & Eindrücke

Mainstreaming von Extremismus: Wo ist die rote Linie für die Demokratie?

Auf einer Wanderung diskutierte ich mit u. a. Armin Laschet, Carl Bildt, Julia Ebner und Peter Neumann über die Gefahren, wenn extremistische Narrative in den gesellschaftlichen Mainstream einsickern. Wie robust sind unsere Demokratien noch und wo verlaufen die roten Linien, die wir schützen müssen? Besonders eindrücklich war, wie nah politische Praxis und wissenschaftliche Analyse hier zusammengebracht wurden und das nicht im Konferenzsaal, sondern beim Gehen durch die Berge.

“Changing democracy is a hidden process. We need to secure our democratic structures davor, von Rechtspopulisten niedergeschlagen zu werden.” – Armin Laschet, former Minister President of North Rhine-Westphalia & Member of the German Bundestag

Vereint oder losgelöst? Der Kampf um Europas Identität und Zukunft

Mit Martin Selmayr, Helmut Brandstätter, Edit Inotai und Josephine van Zeben ging es um die zentrale Frage: Wie definiert sich Europa in einer Welt, die immer fragmentierter wirkt? Spannend war vor allem, wie unterschiedlich politische, mediale und akademische Perspektiven die Herausforderungen, aber auch die Chancen für die europäische Identität beleuchteten.

 „Externe Kräfte, China, Russland, die USA, tragen zur Anheizung von Extremismus bei. Doch damit er verfängt, müssen in der Gesellschaft bereits Bruchlinien vorhanden sein: eine Bankenkrise, Migrationsdruck oder ähnliche Schwachstellen.“ – Carl Bildt, ehemaliger Ministerpräsident von Schweden

In einem Gespräch während der Wanderung mit Martin Selmayr, EU-Botschafter Rom; ehemaliger Generalsekretär der Europäischen Kommission, über die Ukraine sagte er folgendes:

„Die Herausforderung für eine Gesellschaft und ein System besteht nicht nur darin, von Frieden zu Krieg zu gehen, sondern auch darin, als Nation vom Krieg wieder in den Frieden zurückzukehren.“

Auch sagt er:

„Ich bin fest überzeugt: In nur wenigen Jahren werden wir mehr als 30 Mitgliedstaaten haben.“ und bezieht sich dabei auch auf die Ukraine als neues Mitglied.

Dr. Julia Ebner, Senior Research Fellow & Leiterin des Violent Extremism Lab am Institute for Strategic Dialogue (ISD), University of Oxford, die lange tief in die extremistische Szene eingetaucht ist, meinte:

„Vertrauen verlagert sich von Institutionen hin zu einzelnen Personen, häufig zu Influencern, anstatt in etablierte Organisationen.“ Diese Dynamik sollten wir uns zu Nutze machen.

Josephine van Zeben, Professorin für transnationales Recht; Prorektor für Bildung und akademische Personalentwicklung, European University Institute sagt:

„Wir sprechen ständig über die Probleme, die die EU lösen muss. Aber wir fragen uns selten: Wie sieht Erfolg für die EU eigentlich aus?“

Der strategische Aufbruch Europas: Sicherheit in einer fragmentierten Welt

In einer Zeit, in der geopolitische Risiken zunehmen, wurde hier diskutiert, wie Europa seine Sicherheitspolitik neu denken muss. Mit Katarzyna Pisarska, Sarah Wheaton, Peter Wagner, Robert Brieger und Meredith Whittaker wurde klar: Sicherheit bedeutet heute nicht mehr nur militärische Stärke, sondern auch digitale Souveränität, Resilienz gegen Desinformation und strategische Handlungsfähigkeit im globalen Kontext. Meredith Whittaker, Präsidentin der Signal Foundation sagt:

„Wir müssen in Technologien investieren, die Unabhängigkeit von anderen Staaten ermöglichen und die Monopole der großen Tech-Konzerne herausfordern.“

Sunrise Hike auf die Gratlspitze

Eines meiner „Off topic“ Highlights: Um 4 Uhr morgens startete die Wanderung hinauf auf die Gratlspitze. Inmitten des Sonnenaufgangs über den Alpen entstanden Gespräche, die man in einem Konferenzsaal wohl nie so führen könnte. Für mich ein Format, das inspiriert – Lernen und Austauschen in Bewegung.

Europe in the World – Abschlussdebatte

Zum Abschluss der Europe in the World Days beim European Forum Alpbach 2025 wurde klar: Die alte regelbasierte Ordnung, in der Europa florierte, existiert nicht mehr. „The order in which Europe was thriving is a thing of the past, and it will not come back. Nostalgia is not a strategy,“ betonte Sabine Weyand (Europäische Kommission). Während die USA sich zunehmend aus multilateralen Strukturen zurückziehen, sieht Arancha González Laya (Sciences Po) die Gefahr, dass Europa in eine „vierte Phase“ abrutscht: „The fourth stage of Europe’s evolution could be that we… become somebody else’s colony.“

Die Panelist:innen waren sich einig, dass Europa nur durch tiefere Integration und neue Partnerschaften Stärke gewinnen kann. Shashi Tharoor (Indisches Parlament) fragte provokant: „Can Europe and India be a pole to ourselves and constitute an alternative to both the US and China?“ Andreas Treichl (ERSTE Foundation) warnte hingegen vor Europas Wehrlosigkeit: „We don’t fight with each other, but we let others kill us. This is a major change and we have no means to counter it.“ Für Nobelpreisträger Joseph Stiglitz liegt die Chance Europas in Regulierung und Wettbewerbspolitik: „If Trump says to Europe: Give up your competition policy or face 50% tariffs – what will Europe do?“ Klar wurde: Europa muss seinen Binnenmarkt vollenden, Innovation skalierbar machen und Allianzen ausbauen, sonst bleibt es Spielball einer härteren, multipolaren Welt.

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach6

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach4

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach1

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach2

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  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach10

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach11

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  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach9

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach14

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach23

  • Carina Stöttner – European Forum Alpbach21

Was bedeutet das für europäische Unternehmen und ihre Zukunftsstrategie?

  1. Resilienz stärken: Lieferketten diversifizieren, Abhängigkeiten von USA/China reduzieren und neue Partnerschaften suchen.
  2. Binnenmarkt nutzen: Europa als größten Heimatmarkt für Skalierung begreifen.
  3. Tech-Souveränität: weniger Abhängigkeit von US-Plattformen, europäische Alternativen einsetzen. Auch bei Software-Lösungen!
  4. Partnerschaften erweitern: Kooperationen mit dem globalen Süden als strategische Zukunftsoption, auch, um langfristig neue, junge Märkte zu erschließen.

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Warum Futures Thinking zur Kernkompetenz wird

Foresight ist kein Denkmodell für Akademien oder Thinktanks, sondern ein strategisches Werkzeug für Unternehmen, die im Wandel Orientierung suchen. Ob in der Industrie, Verwaltung oder im Mittelstand: Wer mit Unsicherheit produktiv umgehen will, braucht Strukturen, Methoden und eine Kultur, die Zukunft mitdenkt.
Dieser Beitrag beantwortet fünf praxisnahe Fragen: Wie lässt sich Foresight im Unternehmen verankern? Was bringt es der Strategiearbeit? Und wie baut man dafür Kompetenzen auf?

Wie kann Foresight in Unternehmen integriert werden?

Foresight lässt sich auf verschiedenen Ebenen im Unternehmen verankern:

  • Strategisch: Als Impulsgeber für die Unternehmensstrategie, z. B. über Zukunftsszenarien oder Zielbilder.
  • Innovativ: Als Ergänzung zu Innovationsmethoden (Design Thinking, Agile) zur frühzeitigen Erkennung von Bedürfnissen, Technologien und Geschäftsmodellen.
  • Kulturell: Als Haltung, die Offenheit für Unsicherheit, alternative Denkmodelle und langfristiges Denken fördert.
  • Strukturell: Über dedizierte Rollen, Foresight-Units oder integrierte Teams in Strategie-, Innovations- oder Entwicklungsabteilungen.

Der Einstieg kann klein sein: ein erster Szenarienworkshop, ein Trendradar oder ein internes Foresight-Pilotprojekt.

Welche Vorteile bringt Foresight für die strategische Planung?

Strategisches Foresight erweitert den Planungshorizont – von der kurzfristigen Reaktion zur langfristigen Antizipation. Es ermöglicht:

  • Frühzeitige Orientierung in dynamischen Umfeldern
  • Identifikation von Chancen und Risiken, die klassisch-strategisch übersehen würden
  • Bessere Entscheidungsqualität durch systemische Sicht und alternative Perspektiven
  • Strategien mit mehr Resilienz – also Anpassungsfähigkeit bei unvorhersehbaren Entwicklungen

Foresight macht Strategien robuster, weil es Unsicherheiten nicht ausblendet, sondern einplant.

Wie hilft Foresight in Transformationsprozessen oder bei Unsicherheit?

Foresight ist besonders wertvoll, wenn „lineares Denken“ nicht mehr ausreicht:

  • In Transformationsprozessen öffnet es neue Möglichkeitsräume: Welche Zukunft wollen wir als Organisation? Was verändert sich strukturell?
  • In unsicheren Kontexten schafft es psychologische und strategische Sicherheit: Nicht die eine Lösung, sondern Orientierung im Möglichkeitsraum.
  • Es hilft, komplexe Zusammenhänge zu strukturieren und dabei unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen (interdisziplinär, interhierarchisch, partizipativ).

Foresight unterstützt also nicht nur inhaltlich, sondern wirkt auch als kulturelles Veränderungsinstrument.

Welche Branchen profitieren besonders von Foresight?

Grundsätzlich gilt: Je höher die Unsicherheit, Dynamik und Komplexität, desto wertvoller ist Foresight. Besonders profitieren:

  • Industrie & Energie: zur Vorbereitung auf technologische Umbrüche, neue Wertschöpfungsketten oder geopolitische Risiken.
  • Militär: ursprünglich kommt Foresight aus diesem Bereich. Risikoplanung ist in der Verteidigung das A und O.
  • Gesundheits- & Bildungssektor: zur Mitgestaltung gesellschaftlicher und regulatorischer Veränderungen.
  • Mobilität & Logistik: zur Entwicklung robuster und nachhaltiger Geschäftsmodelle.
  • Öffentliche Verwaltung & Politik: für strategische Vorausschau, Standortentwicklung, Krisenvorbereitung.
  • Technologie & IT: als Innovationsmotor und Ethik-Reflexionsraum zugleich.

Wichtig: Es geht nicht nur um technologische Disruption – auch kulturelle, soziale oder ökologische Wandelprozesse sind Foresight-relevant.

Wie baut man eine interne Foresight-Einheit auf?

Ein unternehmensinternes Foresight-Team braucht mehr als ein Toolset – es braucht Raum, Mandat und Vernetzung. Wichtige Schritte:

  1. Verankerung auf Führungsebene: Foresight muss Teil der strategischen Diskussion sein.
  2. Start mit einem Pilotprojekt: z. B. Trendanalyse, Szenarienprozess oder Visionsentwicklung.
  3. Aufbau interner Kompetenzen: durch Schulungen, Sparrings, externe Begleitung.
  4. Netzwerke schaffen: zwischen Strategie, Innovation, HR, Technologie, Nachhaltigkeit etc.
  5. Zukunft als Dialog etablieren: partizipativ, iterativ, nicht nur Top-down.

Je nach Größe und Reifegrad kann Foresight als dedizierte EinheitStabsstelle oder integrierter Prozess angelegt werden.