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Schlagwort: KI

Carina Stöttner auf der Digital ConnecT: KI vom Menschen her denken

Die Zukunft der Arbeit wird nicht allein von Technologie bestimmt, sondern vom Zusammenspiel zwischen Mensch, Kreativität und Künstlicher Intelligenz. Mit diesem Gedanken schloss die Zukunftsforscherin Carina Stöttner, CEO und Gründerin der Futurewise Company, am 7. Oktober die dritte Ausgabe der Digital ConnecT im Four Points by Sheraton in Bozen ab.

Das Motto des Tages: nur konkrete Methoden, von Versprechungen zu Ergebnissen. Eröffnet hatte den Tag Raffaele Gaito mit seinem Konzept des „AI Mindset“: Erfolgreicher KI-Einsatz ist zuerst eine Frage der Haltung und erst danach eine Frage der Technologie. An diesen Gedanken knüpfte Stöttner am Abend an. Den ganzen Tag ging es um AI-Strategien, Marketing, Automatisierung und Cybersicherheit – mit praktischen Erfahrungen und übertragbaren Methoden internationaler Expertinnen und Experten.

In ihrer Keynote richtete Stöttner den Blick nach vorne. Welche KI-Tools stehen Unternehmen heute und in naher Zukunft zur Verfügung? Und welche menschlichen Fähigkeiten bleiben trotz aller Fortschritte unersetzlich? Im Mittelpunkt standen drei Learnings.

1. Erst vom Menschen her denken, dann nach dem größten Mehrwert fragen

Wenn Unternehmen KI einführen, gibt es grob drei Denkwege. Man kann vom Tool her denken, vom größten Mehrwert für das Unternehmen her – oder vom Menschen und seiner Tätigkeit her. Die meisten starten mit einem der ersten beiden.

Als Beispiel nannte Stöttner den Unternehmer Lukas Dieterle. Er hat zuerst die Menschen und ihre Tätigkeiten betrachtet. Erst danach hat er gefragt, wo KI den größten Mehrwert schafft.

Seine Leitfragen gab sie dem Publikum als Impuls für das eigene Unternehmen mit:

  • Worauf sind die Menschen stolz?
  • Was passt zu unseren Werten und unserem Außenbild?
  • Worauf haben die Menschen Lust?

Die Antworten zeigen, welche Aufgaben beim Menschen bleiben sollten – und wo KI wirklich entlastet.

Das Learning: KI strategisch, aber vom Menschen her gedacht, maximiert die Zufriedenheit und den Mehrwert der Technologie.

2. Frei gewordene Zeit braucht Raum für Begegnung, nicht noch mehr Aufgaben

KI schafft nicht zwangsläufig Zeit, betonte Stöttner. Sie schafft vor allem mehr Output in kürzerer Zeit. Was mit der gewonnenen Zeit geschieht, ist eine bewusste Entscheidung.

Füllen Unternehmen sie mit noch mehr Aufgaben, entsteht eine Spirale. KI verstärkt dann genau die Beschleunigung, die der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt. Man wird schneller, aber nicht unbedingt besser.

Stöttners Empfehlung: einen Teil der frei gewordenen Zeit bewusst für echte zwischenmenschliche Begegnung freihalten. Daraus entsteht, was keine Maschine liefern kann – neues Denken, Kreativität und neue Wachstumsfelder. Und der Mensch bleibt im Arbeitsumfeld im Blick.

Das Learning: Produktivität braucht die Balance mit Resonanzräumen.

3. KI ist nie neutral – deshalb müssen Unternehmen ihre Werte einspeisen

„KI kennt unsere Welt nur so weit, wie wir sie füttern“, so Stöttner. Daten und Training bestimmen den Outcome. Wer das ignoriert, übernimmt ungeprüft die Verzerrungen, die in den Daten stecken.

Daraus leitete sie drei Aufgaben für Unternehmen ab:

  1. Bias erkennen. Verstehen, welche Daten und welches Training hinter einem Modell stehen.
  2. Ziele klären. Was will das Unternehmen mit KI erreichen? Und wie fließen seine Ziele, Überzeugungen und Werte ins Modell ein?
  3. Risiken vermeiden. Sonst läuft KI gegen Arbeitsrecht oder eigene Leitlinien – und verspielt das Vertrauen von Kundinnen und Kunden.

Das Learning: Werte und Bias in unseren Entscheidungen bewusst machen und gezielt in die Modelle einfließen lassen.

Fazit: Die Zukunft entsteht im Zusammenspiel

Die Tools werden immer mächtiger – und das ist gut so. Den Unterschied macht laut Stöttner aber, wie man sie einsetzt: vom Menschen her gedacht, mit Raum für Begegnung und mit klaren Werten. Genau dort liegen die Fähigkeiten, die unersetzlich bleiben.

Die Digital ConnecT ist ein gemeinsames Projekt von IDM Südtirol, dem Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol (hds), CNA-SHV Südtirol, dem Unternehmerverband Südtirol (UVS), dem Hotel- und Gastwirteverband (HGV), dem Südtiroler Bauernbund (SBB), dem Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa), Confesercenti Südtirol und dem NOI Techpark.

Die Frage, die Stöttner dem Publikum mit auf den Weg gab: Wird KI im eigenen Unternehmen vom Tool, vom Mehrwert oder vom Menschen her gedacht?

Die Veranstaltung fand auf deutsch und italienisch statt – die Präsentation war bilingual angelegt.